ESD-Schutzzone

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28.02.2013 12:32
Laptop statisch aufgeladen


Hallo,

in unserer Produktion werden gerade die PC´s an den Montageplätzen
gegen personifizierte Laptop´s ausgetauscht. Nun ist uns bei Messungen
aufgefallen, dass sich die Laptop-Tastatur bis zu 1kV aufladen kann.
Bisher gab es immer nur die Frage ob ein Laptop durch ESD-Schäden defekt werden kann aber nicht umgekehrt; weshalb ich auch über google keine Antwort
finde. Gibt es irgendwelche ableitfähigen Schutzhüllen für laptops?
Wird in der Regel überhaupt auf die Aufladbarkeit von PC´s an Arbeitsplätzen geachtet. Bei Besuch eines ESD-Beraters wurde keine Tastatur oder Monitor gemessen, obwohl diese nach unseren Messungen ebenfalls aufladbar sind.
Danke im Voraus.

 



01.03.2013 07:12
Re: Laptop statisch aufgeladen
Hallo,

Deine Frage ging mir auch schon durch den Kopf. Da der PC in der Regel aus Isolatoren (=div. Kunststoffe) aufgebaut ist, hat man da natürlich auch immer mit einer Aufladung zu rechnen.
Wenn nun also mit ESD-S am gleichen Arbeitsplatz hantiert wird, bleibt als einfachste Lösung nur die Wahrung des Sicherheitsabstandes von min. 30cm.
Als ergänzende Möglickeit käme eine Dockingstation für´s Laptop infrage, an der man dann eine Edelstahl- oder Glas-Edelstahl-Tastatur anschließt. Man muß dabei natürlich berücksichtigen, das diese Tastaturen die Gefahr der harten Entladung bergen.

Gruß
Malte

 



01.03.2013 07:37
Re: Laptop statisch aufgeladen
Hallo Malte,

ersteinmal vielen Dank für die schnelle Antwort. Aus deiner Antwort hat sich mir nun eine neue Frage gestellt. Ich dachte immer der Sicherheitsabstand beläuft sich auf 80 cm, wobei ich nun auch nicht sagen kann woher wir diesen Wert haben. Ist der Wert irgendwo niedergeschrieben?

Danke
Gruss Florian

 



01.03.2013 08:22
Re: Laptop statisch aufgeladen
Hallo und Willkommen,
dass sich EDV-Geräte elektrostatisch aufladen ist bekannt. Jedoch kann man das schlecht beanstanden, weil es kaum bzw. keine ESD-gerechten Geräte gibt.
Bei einem EPA-Verbot für die EDV wären die Prozesse empfindlich gestört bzw. kaum durchführbar. Somit müssen wir es tolerieren und das Beste daraus machen … wie z.B. von Malte erwähnt, die 30 cm Abstand zur Elektronik (ab 2 kV) prozesstechnisch gewährleisten (=Normvorgabe). Ein paar Ansätze:
• Strukturiertes und ordentliches Arbeiten (z.B. links die Elektronik und rechts die EDV am Arbeitsplatz)
• mittels Kabelbinder die Tastaturkabel und Mousekabel fixieren, um die Reichweite zu verkürzen
• Monitore stehen meist 30 cm entfernt (Inverterbaugruppen zur Backlightansteuerung erzeugen evtl. höhere E-Felder, aber die liegen auf der Rückseite des LCD´s)
• Docking war auch ein guter Tipp
• Wenn möglich Piano bzw. Hochglanzlackgehäuse vermeiden (glatte Oberflächen erzeugen höhere Aufladungen)
• Und nicht zuviel darüber Reiben. Lediglich der Kontakt mit einer Taste erzeugt nur auf der Taste ein Oberflächenpotential, welches meist niedrig ist. Das Provozieren indem man 30mal mit einem Mikrofasertuch darüber reibt ist nicht praxisnahe … max. ein-, zweimal mit der Hand darüber reiben und dann messen.
• Metalltastaturen auf dem Arbeitsplatz würde ich auf Grund des CDM-Risikos nicht unbedingt verwenden. Zunehmend ist die Elektronik bei CDM-Entladungen meist noch empfindlicher als bei HBM-Entladungen.

Man sollte sich auch die Frage stellen: Brauchen wir ESD-gerechte EDV wirklich? Geht davon ein Qualitätsrisiko aus?
Ähnlich wie bei ESD-Abfalleimer, die unter dem Tisch stehen oder ESD-Dokusysteme in Schubladen, habe ich da meine Zweifel. Vorausgesetzt sind ESD-sensibilisierte und gut strukturierte Mitarbeiter.

Übrigens wg. „…Laptop wegen ESD-Schaden defekt…“, Endgeräte müssen bei Produkthaftung bzgl. EMV getestet werden und dazu zählt ein ESD-Test. Dabei wird mit 4 kV und 8 kV HBM-Entladung getestet. Das sollten die Laptops mindestens aushalten, falls es zu einer Entladung von einer Person auf das Gerät kommt.

Anhang: die 80 cm, eigentlich 100 cm Abstand beziehen sich auf die EPA-Grenze. Dabei müssen wir z.B. verhindern, das Personal (außerhalb vom EPA) über die Grenz hinweg auf den Arbeitstisch greifen kann. Siehe hier Threads dazu. Die 30 cm Abstand dienen für prozessrelevante Isolatoren in der EPA, ohne die ein Arbeiten nicht möglich wäre.

Editiert von ESD-Coach - 01.03.2013 08:24

Schöne Grüsse
vom ESD-Coach



01.03.2013 08:33
Re: Laptop statisch aufgeladen
Hallo Florian,

die DIN (EN 61340-5-1:2008-07) spricht in diesem Zusammenhang von prozessrelevanten Isolatoren und sagt unter 5.3.3, dass wenn das elektrostatische Potential an der Oberfläche 2000V übersteigt, der Gegenstand mindestens 30 cm vom ESDS entfernt sein muss.

Ich weiß nicht, wie sich das bei euch räumlich darstellt, aber zur Not müsstest ihr an dem Arbeitsplatz halt noch einen Ionisator vorsehen.

Gruß
Malte

Edit: Ich sehe gerade, der Coach war schneller.

Editiert von HighVoltage - 01.03.2013 08:34

 



01.03.2013 08:49
Re: Laptop statisch aufgeladen
Vielen Dank für die ausführlichen und sehr schnellen Antworten,
jetzt bin ich schlauer und kann mit den Daten auf alle Fälle weiterarbeiten.
Bei der Messung der Tastatur muss ich zugeben, dass wir tatsächlich mehrmals mit einer Folie über die Tastatur gerieben haben. Die Angabe mit dem 30 cm Abstand war sehr lohnend, da ich damit die Arbeitsplätze um einiges unaufwändiger gestalten kann.

Vielen Dank für die Hilfe und ein schönes Wochenende


Gruss Florian

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